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Exzellenter Thriller krönt 137 Minuten Hochspannung mit erschütterndem Twist


Die berühmteste Szene in der Karriere von Denis Ménochet spielt sich quick ausschließlich an einem Tisch ab: In Quentin Tarantinos Inglourious Basterds sitzt sein Bauer LaPadite dem SS-Offizier Hans Landa (Christoph Waltz) gegenüber, der in der Hütte versteckte Juden vermutet. Das Gespräch der beiden entwickelt aus Pfeifen, Milchgläsern und ausschweifenden Reden eine unerträgliche Drucksituation, unter der schließlich auch LaPadite zusammen knickt. Was man beim ersten Anblick von Ménochet sicher kaum erwartet hätte.

Inglourious Basterds struggle der Durchbruch des Charakterdarstellers, jetzt spielt er Hauptrollen, wie im Thriller The Beasts (OT: As bestas). Darin versuchen seine Nachbarn den Biobauern aus dem Dorf zu mobben. Mit furchtbar spannenden Konsequenzen.

Der hochspannende Thriller mit Tarantino-Star Denis Ménochet läuft in Cannes

Dass ich den Thriller überhaupt gesehen habe, verdanke ich einem glücklichen Zufall. Die Inhaltsangabe klang austauschbar (ein französisches Ehepaar gerät in Galizien mit den spanischen Einheimischen in Konflikt) und an diesem vorletzten Tag des Festivals von Cannes wollte ich es ruhig angehen lassen. Schließlich muss man irgendwann ausschlafen, den Müll aus der Filmkritik-WG runterbringen und einen Blick aufs Meer werfen.

The Beasts

Wie das in Cannes eben so ist, wartete ich gerade auf meinen Espresso im Festival-Palais, als eine Kollegin mir The Beasts wärmstens ans Herz legte. Eine halbe Stunde später saß ich im klimatisierten Saal. Noch einmal 137 Minuten später verließ ich glücklich das Kino. Wenn das kein Grund ist, dreimal am Tag Espresso zu exen!

Wie geschrieben: Ménochet und seine Film-Ehefrau Marina Foïs spielen ein Paar aus Frankreich, das sich in dieser nordwestlichen Ecke Spaniens einen Traum erfüllt. Seit mehreren Jahren leben sie in den rustikalen Bergen, bauen Gemüse an und renovieren baufällige Steinhäuser aus der Gegend in der Hoffnung, sie später zu verkaufen.

Währenddessen hegen Nachbarn im Dorf einen anderen Traum: Sie wollen das Land an ein Windrad-Unternehmen verkaufen und diesen gottvergessenen Flecken Erde für ein besseres Leben verlassen. Dafür brauchen sie die Zustimmung der zugezogenen Antoine und Olga. Zwei Brüder (Luis Zahera und Diego Anido) wollen sie mit besonders großem Eifer dazu bringen.

Der Thriller mit Western-Einschlag baut eine zermürbende Atmosphäre der Paranoia auf

Am Anfang stehen Einschüchterungsversuche. Angebrochene Schnapsflaschen, die auf der Terrasse von Antoine und Olga hinterlassen werden. Nächtliche Besuche auf dem fremden Grundstück. Antoine ist kein Kind von Traurigkeit, er trägt Mitverantwortung an an der Eskalation, die früh in der frischen Bergluft hängt.

The Beasts

Der treibende, aber subtile Score und die lauernde Kamera schüren schnell ein Gefühl von Beklemmung in einer Landschaft, die eigentlich majestätische Größe ausstrahlen sollte. Wohin Antoine mit seinem leider wenig verlässlichen Hund Titan auch spaziert, dominiert ein Gedanke: Jemand könnte auf ihn warten.

Das Drehbuch von Regisseur Rodrigo Sorogoyen und Isabel Peña verzichtet auf einfache Bösewichte. Es zeichnet vielmehr ein komplexes Bild widerstreitender Interessen, die sich so lange aneinander reiben, bis es Funken schlägt. Das alles erzählen die beiden Autor:innen derart kontrolliert und mit der nötigen Ruhe, dass selbst ein schockierender Twist sich wie eine grauenerregende, aber logische Entwicklung ins Geschehen fügt.

Damit gehört der schlau und ambivalent konstruierte Thriller The Beasts zu den Genre- Geheimtipps der diesjährige Edition von Cannes. Bitte weitersagen!



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